Ein Architekt, der malt — oder ein Maler, der Architektur studiert hat. Beides trifft zu und beides erklärt die Bilder nur zur Hälfte.
„Ich bin nicht zur Malerei gekommen — sie kam zu mir.“
Bernd Machnik wurde in Eichwalde bei Berlin geboren und wuchs dort auf. Über dreißig Jahre lebte und arbeitete er in Berlin-Kreuzberg. Dass es ein Beruf auf dem Bau werden würde, stand früh fest: Lehre als Baufacharbeiter, Fachabitur, ab 1980 Studium des konstruktiven Ingenieurhochbaus an der Ingenieurhochschule Cottbus.
Ein Gespräch im Wohnheim brachte die Wende. Eine Kommilitonin sah die Zeichnungen an seiner Zimmerwand und erzählte vom Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Es folgten eine Bewerbungsmappe mit vierzig Arbeiten, eine einwöchige Eignungsprüfung unter sechsundfünfzig Bewerbern und 1982 der Wechsel nach Weißensee — an eine Hochschule, an der der künstlerische Entwurf alles war und Statik beinahe nichts.
Die Malerei entstand daneben und gegen den Strich. „Ein Architekt malt keine Bildchen. Er baut mit Farbe“, hieß es im Fachgebiet. Die ersten Versuche — laute, expressive Stadtbilder nach dem Vorbild der Westberliner „Neuen Wilden“ — landeten nach einem vernichtenden Urteil eines Malerstudenten im Kachelofen. Was blieb, war die Erkenntnis, dass grelle Farbe allein nichts trägt.
Was danach kam, war leiser: ein eingerückter Tisch, darauf ein Glas. Ein zweites Bild, eine Kanne. Mit diesen beiden Leinwänden ging er zu dem Malerdozenten, der das Selbstporträt zuvor abgelehnt hatte. Dessen Satz — „Darüber lässt sich jetzt doch reden“ — war der Anfang. Die Empfehlungen, die folgten, gelten bis heute: Morandi, Rosenhauer, die Niederländer des 17. Jahrhunderts.
Nach dem Diplom 1987 arbeitete er als Szenenbildner beim Fernsehen, in der Abteilung Dramatische Kunst. Die freie Zeiteinteilung ließ Raum für die Staffelei; die Formate wurden größer, der Gegenstand verschwand, der Raum selbst wurde zum Motiv. 1989 verließ er die DDR über Ungarn, arbeitete ein Jahr als Architekt in Xanten und kehrte 1990 nach Berlin zurück. In der Neuköllner Wohnung, eingerichtet als Atelier, entstanden vier großformatige Diptychen an der Wand.
Seither arbeitet er seriell: Ein Thema wird ergründet, bis es trägt — und beiseitegelegt, bevor es beliebig wird. Auf die Stillleben folgten die Raumbilder, die Diptychen, die Tischflächen, zuletzt die Landschaften und Seestücke. Dazu durchgehend die Zeichnung, häufig Kugelschreiber auf Papier. Alle Arbeiten sind Unikate und werden nicht reproduziert.
Meine Aufgabe besteht darin, Bilder zu malen, die ich als qualitativ gut befinde. Bernd Machnik